Das M des Dualen Masters

Faszination Forschung

André Lang ist Absolvent des Dualen Masters Governance Sozialer Arbeit. Er arbeitet als Sozialarbeiter und Medienpädagoge in der Kinder- und Jugendförderung der Stadt Ludwigsburg.

Herr Lang, Sie haben Ihren Bachelor an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg gemacht. Warum haben Sie für den Master die DHBW ausgewählt?

Lang: Das duale Konzept kannte ich bereits von Bachelor-Studierenden der DHBW, die ich bei der Arbeit schon seit 2001 betreue. Ausschlaggebend für meine Entscheidung war aber die inhaltliche Ausrichtung des Masters. Für mich war wichtig, dass ich Einblicke in Leitungsthemen bekomme, in Betriebswirtschaftslehre und in Politik. Der Governance-Ansatz passte für mich exakt. Mich interessieren zum Beispiel Beteiligungsprojekte auf kommunaler aber auch auf europapolitischer Ebene. Jetzt verstehe ich eher, wie  Politik funktioniert und entscheidet. Außerdem kam mir der relativ günstige Preis des Dualen Masters entgegen.

Zwischen Ihrem Fachhochschul-Bachelor und Ihrem Dualen Master lagen 20 Jahre im Beruf. Wie ist Ihnen der Wiedereinstieg ins Studieren geglückt?

Lang: Ins Lernen wieder hineinzukommen, hat schon ein paar Monate gebraucht. Zum Glück habe ich gesehen, dass am Anfang alle mit den wissenschaftlichen Texten zu kämpfen hatten – auch die Jüngeren. Wenn die einen Text zwei-, dreimal lesen mussten, um ihn zu verstehen, habe ich allerdings vier-, fünfmal gebraucht. Aber das war okay für mich. Einerseits war das nur die ersten Monate so. Andererseits interessieren mich einfach viele Themen, und ich will es ganz genau wissen. Wenn es Verweise auf zusätzliche Texte gab und mich interessierte das Thema, las ich auch abseits vom Pflichtprogramm weiter. Wissen ist für mich ein Genuss – und das Studium war super-klasse, trotz stressiger Abgabetermine.

Das hört sich toll aber hart an. Welche Vorteile hat eine Pause zwischen Bachelor und Master konkret?

Lang: Das war unter meinen Kommilitoninnen und Kommilitonen gut zu sehen. Fünf von uns waren deutlich älter und dies brachte eine andere Form des Diskutierens mit sich. So konnte ich  oft an meine Berufserfahrung anknüpfen und das neue Wissen direkt einordnen. Dies hat für mich auch den Blick über den eigenen Arbeitgeber-Tellerrand hinaus noch wertvoller gemacht. In meinem Jahrgang waren fast alle Sparten der Sozialen Arbeit vertreten: vom Bildungsträger über die Altenhilfe bis zur Schulsozialarbeit. Von den Einblicken habe ich besonders profitieren können.

Der relativ späte Einstieg in den Master hat allerdings auch mit sich gebracht, dass Sie Ihr Studium nicht nur mit Ihrem Beruf sondern auch mit Ihrer Familie unter einen Hut bringen mussten. Wie haben Sie das geschafft?

Lang: Vor dem Studium war ich nicht sicher, ob ich das tatsächlich hinkriege. Doch ich wollte es probieren, und meine Familie hat mich unterstützt. Ansonsten wäre es nicht gegangen. Aufgrund meines Bedürfnisses, neben dem Pflichtprogramm zusätzliche Texte lesen zu können, hatte sich bei mir herauskristallisiert, dass ich etwa 20 Wochenstunden für das Duale Master brauche – auch wenn andere nur zehn benötigen. Dadurch war sofort klar, dass es ohne Reduzierung meiner Arbeitszeit auf 75 Prozent nicht gehen würde. Trotzdem saß ich jedes Wochenende um 7 Uhr am Schreibtisch, weil meine Familie da noch geschlafen hat. Das ging nicht anders. So habe ich neben den fachlichen Inhalten knallhartes Zeitmanagement und Disziplin gelernt.

Inwiefern hat auch die Theorie-Praxis-Integration geholfen, Ihr Arbeitspensum zu verringern?

Lang: Das war beispielsweise bei einer Forschungsprojektarbeit der Fall. Weil ich die theoretische Skizze auch gleich in die Praxis umgesetzt habe, konnte ich hierfür Arbeitszeit nutzen. Konkret ging es um eine Verbesserung des  relativ wenig genutzten Frühstücksangebotes in unserem Schülercafé. Ich habe mit 450 Fragebögen bei Schülern unterschiedlicher Schulformen und Jahrgänge den Bedarf abgefragt und die Bereitschaft, für Essen zu zahlen. Die wissenschaftlich exakte Auswertung und der Vergleich mit einer bundesweiten Studie haben verschiedene Änderungen des Angebots zur Folge gehabt – und eine heute deutlich größere Nachfrage.

Herzlichen Glückwunsch! Das ist ein toller Projekterfolg während des Studiums – und was bringt Ihnen Ihr Dualer Master langfristig in der Praxis?

Lang: Beispielsweise sind meine Berichte jetzt viel besser. Die mache ich einfach nebenher, schneller, strukturierter, mit einer jährlichen Befragung, einer Auswertung der Statistik, die ich jetzt erhebe. Einfach, weil ich es gelernt habe.
Außerdem habe ich jetzt ganz andere Möglichkeiten. Meine ursprüngliche Motivation für das Studium waren mein Wissensdurst, die Lust zu studieren – und die Chance zu haben, mich verändern zu können: Zum Beispiel waren Bewerbungen auf Leitungsstellen früher hoffnungslos.

Dann geht es jetzt, nach dem Dualen Master, in die Leitung?

Lang: Nein. Ich habe festgestellt, dass mir viele Leitungsstellen zu weit weg sind von der praktischen Arbeit. Im Studium habe ich jedoch eine andere unerwartete jedoch wegweisende Erfahrung gemacht: Mich fasziniert Forschung! Meine Forschungsskizze war ein Aha-Erlebnis. Ich finde es sehr zufriedenstellend, einer Vermutung beziehungsweise Hypothese nachzugehen und die Ergebnisse in der Praxis umzusetzen. Wenn dies dann auch noch vor Ort tatsächlich angenommen wird, ist das toll! In der Sozialen Arbeit fehlen leider oft systematische Auswertungen und saubere Dokumentationen, da diese zeitaufwändig und daher teuer sind. Da ich jetzt das theoretische Handwerkszeug habe, kann ich in kleinem Rahmen forschen – und ich lote gerade aus, ob ich weiter in Richtung einer Promotion gehe.
Außerdem habe ich jetzt neben dem Beruf ein zweites Standbein: Ich lehre an der DHBW Stuttgart im Bachelor. Das hatte ich so vorher auch nicht im Fokus.

Vielen Dank für das Gespräch!