Blick in das Atrium und auf die Treppe des Gebaeudes M des DHBW CAS am Bildungscampus in Heilbronn

Der Master als Türöffner mit großem überfachlichem Mehrwert

Führungslaufbahn, Fachkarriere oder zuerst promovieren? Mein Dualer Master macht alles möglich – und hat mir nebenbei geholfen herauszufinden, was für mich der passende Weg ist.

Joshua Reiling, Masterabsolvent Maschinenbau, Konstrukteur bei der Daimler AG

Joshua Reiling, Master-Absolvent Maschinenbau
Joshua Reiling, Masterabsolvent Maschinenbau, bei seiner Rede im Rahmen der Graduierungsfeier des Fachbereichs Technik am 19. Mai 2017

Herr Reiling, am heutigen Tag Ihrer Abschlussfeier blicken Sie auf Ihr Master-Studium zurück. Was waren in Ihren Augen vor zwei bis drei Jahren die persönlichen Voraussetzungen, unter denen Sie und Ihre Mitstreiter/-innen den Dualen Master begonnen haben?

Reiling: Das Bachelorstudium hatten wir damals alle gemeistert. Wir waren in der Arbeitswelt angekommen, und mancher hatte sogar schon mit der Umsetzung der Familienplanung begonnen. Aus verschiedensten Gründen entschieden wir uns an dieser Stelle, die Herausforderung eines Masterstudiums anzunehmen. Jeder und jede von uns brachte dafür Wissbegierde, Mut und Offenheit mit.

Was waren damals besondere Hürden?

Reiling: Dass es nicht einfach werden würde, war uns klar. Nachdem man sich selbst überzeugt hatte, galt es auch den Chef oder die Firma zu überzeugen und sofern vorhanden den eigenen Partner für die Idee zu gewinnen. Keine leichten Verhandlungen, wenn man bedenkt, dass jeweils beide am Liebsten uneingeschränkten Zugriff auf einen hätten. Für das Masterstudium ist ein Rückhalt von diesen Seiten deshalb enorm wichtig. Es ist schon anspruchsvoll, neben dem Arbeiten auch noch zu studieren und dabei Familie, Freunde und Partner nicht aus den Augen zu verlieren.  

Wie haben Sie Ihren Studienstart in Erinnerung?

Reiling: Ich startete voller Optimismus in die ersten Vorlesungen. Die vielen neuen Themen und Gesichter interessierten mich, aber sie verunsicherten mich auch. Ich fragte mich, was man von uns erwartete und wie die anderen so drauf waren? Ich wurde positiv überrascht: Auf den Bildern des gemeinsamen Kick-Offs sind durchweg lachende, interessierte und offene Menschen zu sehen.

Hat sich daraus mehr ergeben?

Reiling: Auf jeden Fall: Trotz flexibler Wahlmodule blieben insbesondere uns Maschinenbauern viele gemeinsame Studienmodule. Die Abende der Vorlesungsblöcke wurden in der Regel gemeinsam in kleinen bis größeren Gruppen verbracht. Insbesondere durch die verschiedenen Studienorte waren die jeweiligen Abendveranstaltungen und Unterkünfte sehr abwechslungsreich. So entstanden neben dem intensiven fachlichen auch ein persönlicher Austausch und ein besonderes Gemeinschaftsgefühl. Das hat für mich zu einer sehr positiven Lernatmosphäre beigetragen.

Wie haben Sie Beruf und Studium vereinbart?

Reiling: Während der Studienzeit waren für uns alle ein hohes Maß an Koordinations- und Durchhaltevermögen und vor allem Selbstorganisation erforderlich. Wer neben der Arbeit dem Studium gerecht werden wollte, musste sich immer wieder selbst neu motivieren und disziplinieren. Wer umgekehrt neben dem Studium auch dem Job gerecht werden wollte, kompensierte die Abwesenheit von der Arbeit oft mit Überstunden, Homeoffice oder Erreichbarkeit während der Vorlesungen.

Wie haben Sie das geschafft?

Reiling: Wichtig für mich waren zum einen die Flexibilität bei der Arbeit, gefördert durch den Vorgesetzten und die Kollegen, zum anderen die Unterstützung meiner Freundin sowie der Austausch mit meinen Kommilitonen. 

Was hat Ihnen besonders gefallen?

Reiling: In den Fachmodulen konnte ich meine fachlichen Kompetenzen interessen- und bedarfsorientiert ausbauen und über meinen eigenen beruflichen Tellerrand blicken. Als besonders wertvoll sehe ich die Praxisbezüge der Dozenten und der Kommilitonen an, die oft zu interessanten Diskussionen anregten. Die Studien- und Masterarbeit ermöglichten es, sich mit Themen aus dem eigenen Arbeitsgebiet vertiefend zu beschäftigen und Zusammenhänge zum Studium aufzubauen.

Als Bereicherung empfand ich zudem die fachübergreifenden Seminare, die der Duale Master bietet. Hier lernten meine Kommilitonen und ich, einzeln und im Team optimal zu arbeiten, zu verhandeln und wie wir entspannt zum Erfolg kommen. Wir lernten also nicht nur Stress, sondern auch uns selbst zu managen. Und wir lernten vor allem uns selbst mit unseren Interessen und Besonderheiten besser kennen. 

Was macht duale Masterstudierende in Ihren Augen aus?

Reiling: Sie sind wissbegierig, mutig und offen. Sie können sich selbst organisieren und besitzen ein hohes Maß an Koordinations- und vor allem Durchhaltevermögen. Sie verhandeln gut, kennen ihre eigenen Stärken und Schwächen und wissen, wie sie an diesen arbeiten können. Außerdem sind duale Masterstudenten fachlich qualifiziert, wissen, was sie besonders interessiert und haben ihre Fähigkeit, wissenschaftlich zu arbeiten, erfolgreich unter Beweis gestellt. Für mich selbst gilt zum Beispiel auch, dass mich Herausforderungen mittlerweile mehr anspornen, als dass sie mich verängstigen. Ich habe einfach Freude daran, mich weiterzuentwickeln.

Wie geht es nun weiter für Sie?

Reiling: Führungslaufbahn, Fachkarriere oder zuerst promovieren? Mit dem Dualen Master ist jeder dieser Wege möglich. Ich möchte mich nun firmenintern fachlich weiterentwickeln und dafür die neu gewonnenen Blickwinkel und Qualifikationen des Studiums nutzen. Ich habe das Glück, dass die Aufgaben meines Teams sehr vielfältig sind. Durch das duale Studium fiel die ein oder andere Arbeit bisher nicht in mein Aufgabengebiet. Ich möchte mich deshalb vorerst im eigenen Team die vorhandenen Lernfelder ausschöpfen und Herausforderungen annehmen. Eine Promotion wäre für mich auch interessant, jedoch ist sie derzeit nicht konkret in Planung.

Vielen Dank für das Gespräch!