Das M des Dualen Masters

Wichtige Impulse für den Arbeitgeber

Dorothee Schad ist Geschäftsführerin Personal bei Die Zieglerschen und Mitglied des DHBW CAS-Rats.

Dorothee Schad, Geschäftsführerin Personal, Die Zieglerschen
Dorothee Schad, Geschäftsführerin Personal, Die Zieglerschen und Mitglied des DHBW CAS-Rats

Frau Schad, Sie haben den Dualen Master Governance Sozialer Arbeit mitentwickelt. Warum?

Schad: Damals war ich die Leiterin der Abteilung Personalentwicklung und Bildung bei einem großen Träger sozialer Arbeit. Ich habe also die strategische Personalentwicklung dieses Trägers betreut – und brauchte gute Führungskräfte. Gleichzeitig entstand eine wissenschaftliche Studie, deren Autoren etwa 200 Masterstudienangebote für Führungskräfte im sozialen Bereich analysierten und die Ergebnisse mit den tatsächlich benötigten Kompetenzen, Fähigkeiten und dem Wissensbedarf von Führungskräften auf der mittleren Ebene verglichen. Den Vergleich zogen die Autoren durch teilnehmende Beobachtung bei uns. Das Ergebnis war ernüchternd! Der Fit mit den in der Praxis benötigten Kompetenzen war im Querschnitt schlecht. Also habe ich mich bei der Entwicklung und Akkreditierung des Dualen Masters engagiert und konnte auf diese Weise dafür sorgen, dass hier die Passung sehr viel höher ist als bei anderen Masterangeboten.

Wofür haben Sie sich beispielsweise eingesetzt?

Schad: Dass die benötigten Kompetenzen in diesem Master vermittelt werden. Und für die Berufserfahrung vorm Studienstart. Meiner Meinung nach sollten Studierende sogar mindestens zwei Jahre Berufserfahrung mitbringen, besser mehr. Schließlich qualifiziert der Master für die Übernahme von mehr Verantwortung. Insgesamt ist der Duale Master Governance Sozialer Arbeit nicht am grünen Schreibtisch entworfen worden, sondern hier ist Praxiswissen eingeflossen. Wir als Duale Partner wurden zu etlichen Belangen um Rat gefragt. Das macht sich klar bei der Qualität der Absolventen bemerkbar.

Zwischenzeitlich haben Sie sogar im Master gelehrt. Was sind die Vorteile eines dualen Masterstudiums?

Schad: Die Studierenden bringen ihre Fragen aus dem Praxisalltag mit und reflektieren die theoretischen Ansätze in ihrem Beruf. Der Theorie-Praxis-Transfer gelingt also sehr gut. Wer nicht nur berufsbegleitend sondern berufsintegrierend studiert, bringt beide Welten zusammen. Ich hatte nicht selten Studierende der Universität in einem Praxissemester bei mir, die zugaben: „Jetzt verstehe ich endlich, was ich da studiere.“ Das ist bei dual Studierenden nicht so. Die wissen genau, für welche Praxis sie sich mit Theorie beschäftigen. Da sie lernen, die Praxis von der Theorie her zu reflektieren, kann das Masterstudium auch für den Arbeitgeber wichtige Impulse geben. Bei Masterarbeiten konnte ich viele gute Ideen bescheinigen.

Welche guten Ideen zum Beispiel?

Schad: Eine Studentin hat den demografischen Wandel in der Altenpflege analysiert, Beispiele ausgewertet und daraus Handlungsansätze für eine demografiebasierte Personalplanung abgeleitet. Das hat mich beeindruckt. Ein anderer Student hat eine Art unternehmensbasierte Kompetenzkarte für Führungs-, Fach- und Hilfskräfte entworfen. Aus den einheitlichen Kompetenzmustern konnte sein Träger ableiten, wer was wann lernen sollte. 

Welche Voraussetzungen sollten Studieninteressierte in Ihren Augen erfüllen?

Schad: Ich denke, dass es wichtig ist, das Masterstudium ernst zu nehmen, auch als Qualifikation auf theoretischer Ebene. Wer das tut, lernt sehr strukturiert zu arbeiten. Daneben ist es in der Regel sinnvoll, die reguläre Arbeitszeit während des Dualen Masters auf 70 bis 80 Prozent zu reduzieren. Es wäre gut, wenn Arbeitgeber aus dem sozialen Bereich ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Umfang freistellen oder entsprechende Alternativen ermöglichen.

Vielen Dank für das Gespräch!