Zukunftstag: Wie geht verantwortungsvolle Gestaltung mit KI in der Sozialen Arbeit?
Organisiert von der Liga der freien Wohlfahrtsverbände Heilbronn und verortet in den Räumlichkeiten des DHBW CAS am Bildungscampus, stellte die Konferenz eine wichtige Frage zur Diskussion: Wie verändert Künstliche Intelligenz die Gesellschaft und welche neuen Perspektiven eröffnen sich damit für die Soziale Arbeit? Konkrete Praxisbeispiele und Projekte machen das Thema greifbar. Auch ein Startup von Studenten aus dem Studiengang Digitalisierung in der Sozialen Arbeit ist vertreten.
Nicht einfach nur mitlaufen, sondern Vorreiter sein, aktiv gestalten - das ist die Mission, die hinter der Konferenz steht. Als Teil des Gesamtprojekts der Initiative “AI Inspire: KI im Sozialwesen” soll der Zukunftstag auf ein klar definiertes Ziel einzahlen: Heilbronn-Franken als Modellregion für sozialverantwortliche KI im Wohlfahrtswesen etablieren. Wer sich große Ziele steckt, braucht ein gutes Netzwerk. So kommen an diesem Tag zentrale Akteure aus der Region zusammen - aus Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung. In den Impulsvorträgen mit Professor*innen von DHBW Heilbronn und Hochschule Heilbronn wird ausgelotet, wo die Chancen und Grenzen beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz liegen.
Praxis, Projekte und Perspektiven - das bieten die Workshops im Nachmittagsprogramm. Wie man KI-Kompetenzen aufbauen und verankern kann, berichten verschiedene Beteiligte aus den Bereichen Organisation und Technologie. Karin Kießling von context YELLOWS stellt klar, dass es einen klar definierten Fahrplan braucht. “Wo stehen wir gerade? Technologisch, in Bezug auf Kultur, Struktur und Prozesse?”, diese Fragen müssten geklärt sein, um eine klare Standortbestimmung vorzunehmen. Auf dieser Basis kann die Zielsetzung erarbeitet werden. Wichtig dabei: Der Faktor Mensch. Es muss nicht nur das Management dahinterstehen, auch eine breite Miteinbeziehung der Mitarbeitenden ist notwendig. “Zeigen Sie die Chancen auf - denn ganz viele Dinge, die ich im Alltag ätzend finde, gehen mit KI schneller”, sagt Kießling und nennt als Beispiel das Schreiben von Berichten.
Was der eine ätzend findet, sieht der andere als Problem, dass es zu lösen gilt. Mehr Zeit für Menschen schaffen, das war der Gedanke hinter der Gründung von Sozial KI, dem Startup von drei Studenten des DHBW CAS. Zwei Anfragen pro Tag würden sie inzwischen bekomme, weiß Niclas Höhl, einer der Geschäftsführer, zu berichten. Denn mit ihrem Tool SoKI können Sozialarbeiter über Spracheingabe direkt Berichte verfassen lassen, die später nur noch angepasst werden müssen. “KI arbeitet nie fehlerfrei, es braucht immer einen Menschen im Prozess”, erklärt Höhl das sogenannte Human-in-the-Loop-Prinzip. Und was kann die KI für Fehler machen? Ein Beispiel sind Halluzinationen, bei denen Quellen zitiert werden, die es so gar nicht gibt. Ein anderes Problem ist der Bias, bei dem menschliche Vorurteile weitergegeben werden.
Umso wichtiger ist es, KI-Wissen flächendeckend in die Organisation zu bringen und auch rechtliche Aspekte zu thematisieren. Ein Thema, das sich beispielsweise der Anbieter Learndynamics zur Aufgabe gemacht hat. Denn Künstliche Intelligenz ist ein Instrument, das die Mitarbeitenden auch anwenden können müssen. Wichtiger Hinweis: Ein Sprachmodell darf nie im direkten Kontakt mit vulnerablen Personen stehen. Fehler können hier schwerwiegende Folgen haben.
Von der strategischen Implementierung über die Auswahl des Werkzeugs bis hin zur Schulung der Mitarbeitenden und den Grenzen der Nutzbarkeit - die gemeinsame Diskussion zeigt: Es gibt viel zu beachten und noch viel zu tun. Und: Wer sich traut, einfach selbst etwas zu starten, kann ganz schön erfolgreich werden. “Aus unseren Studis wird was”, freut sich Paul-Stefan Roß, Dekan des Fachbereichs Sozialwesen. Vor sieben Jahren ging der Studiengang Digitalisierung in der Sozialen Arbeit an den Start, seinerzeit als erster Master dieser Art in Deutschland. Die zielgerichtete Ausbildung von Fachkräften in diesem Bereich ist ein wichtiger Teil der Gesamtstrategie für Künstliche Intelligenz in der Sozialen Arbeit. Eine Veranstaltung wie der Zukunftstag ermittelt Bedarfe, zeigt Möglichkeiten auf und bringt verschiedene Akteure ins Gespräch - denn nur gemeinsam ist eine langfristige Weiterentwicklung möglich!