Die Welt zu Gast am Center for Advanced Studies

Weiter wissenschaftlich arbeiten, aber woanders: Zwei Gastforscherinnen haben die Chance genutzt und sich für einen Aufenthalt in Heilbronn am Bildungscampus entschieden: Hilya Kapolo aus Namibia und Salma Alrajabi aus Palästina.

Die beiden bekommen ein Stipendium der BW-Stiftung, das Studierenden aus Ländern Afrikas, der Karibik und des Pazifiks einen Auslandaufenthalt ermöglicht, die sogenannte Regionale Entwicklungspolitische Komponente (REK). Sie erhalten eine finanzielle Unterstützung von 1400 Euro pro Monat und bestreiten damit vor Ort in Baden-Württemberg ihren Lebensunterhalt.

Von der Polizei in Namibia zum Bildungscampus

Hilya Kapolo kommt aus Namibia und macht dort aktuell ihren MBA in Finance. Sie studiert in der Hauptstadt Windhoek an der University of Namibia (UNAM). Die 38-jährige arbeitet bei der Polizei im Accounting und beschäftigt sich in ihrer Masterarbeit mit dem Rentensystem ihres Landes. Für sie als Mutter ist das Stipendium eine große Chance: Sie kann sich voll und ganz auf ihre wissenschaftliche Arbeit konzentrieren. Um die Familie kümmert sich ihr Mann.

Auch ihr Arbeitgeber unterstützt ihren Forschungsaufenthalt in Deutschland und hat sie für drei Monate freigestellt. Sie ist bei der Polizei in Namibia in der Buchhaltung tätig. In ihrer Masterarbeit beschäftigt sie sich mit der Frage, wie es möglich sein könnte, ein Rentensystem für Selbstständige zu etablieren. Ihr Ziel: Mit dazu beitragen, dass es weniger Altersarmut in Namibia gibt. Bei diesem Vorhaben unterstützt Prof. Dr. Ulrike Geidt von der DHBW Mannheim sie als Mentorin. Von ihr hat Hilya Kapolo bereits gelernt, keine Quellen zu nutzen, die älter als fünf Jahre alt sind. Ihr Ziel für den Forschungsaufenthalt in Deutschland: Mit der Literaturrecherche für ihre Masterarbeit fertig werden. 

Hilya Kapolo wird viele neue Eindrücke und Erfahrungen mit nach Hause nehmen, will aber auch etwas zurückgeben: Mit ihren Ortskenntnissen unterstützt sie „Kinder fördern, Zukunft stiften“, eine Initiative der DHBW-Stiftung. Das Engagement zielt darauf ab, Kinder und Jugendliche mit Bildungsdefiziten zu fördern. Damit Unterstützter*innen für ihren Einsatz vor Ort gewappnet sind, hat Hilya Kapolo ihnen wichtige Infos zu Kultur und Landeskunde mit an die Hand gegeben. Ihr erster Eindruck von Deutschland: “Sehr grün!” Und überrascht hat sie, wie nett die Leute sind - immer bereit zu helfen, auch bei limitierten Englischkenntnissen.

Aus dem palästinensischen Hebron nach Heilbronn

Auch Salma Alrajabi kommt von weit her: Sie ist aus Palästina angereist. An der Palestine Polytechnic University in Hebron arbeitet sie an ihrer Promotion in Business Administration. Den Forschungsaufenthalt in Deutschland nutzt sie, um weiter an ihrer Doktorarbeit zu schreiben. Unterstützt wird sie dabei von Prof. Dr. Katja Wengler von der DHBW Karlsruhe, die am Center for Advanced Studies als Wissenschaftliche Leitung für den Masterstudiengang Wirtschaftsinformatik verantwortlich ist.

Das passt gut, denn Salma Alrajabi beschäftigt sich inhaltlich mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Bürgermeisteramt. Mit Sprachmodellen könne man zukünftig bessere Entscheidungen treffen und das Management effektiver gestalten, davon ist sie überzeugt. Allerdings müsse man viel Arbeit investieren, um Veränderungen zu erwirken: “Alles ist schwer am Anfang - aber wenn du daran glaubst, kannst du es schaffen!” 

Auch ankommen in einem anderen Land kann manchmal schwer sein. Deshalb unterstützt die 25-jährige das Center for Advanced Studies, indem sie einen Welcome Guide for International Students schreibt. Dieser Führer soll Neuankömmlingen aus dem Ausland bei der Orientierung auf dem Bildungscampus und in Heilbronn dienen. Sie selbst ist das erste Mal in ihrem Leben weit weg von der Familie und hat Heimweh. Daher hat sie ihren Aufenthalt verkürzt und wird einen Monat früher als geplant nach Palästina zurückkehren. Trotzdem bewertet sie ihren Aufenthalt positiv: Sie will vieles, was sie hier gesehen und kennengelernt hat, mit an ihre Heimatuniversität nehmen - für die Weiterentwicklung vor Ort.

Mitnehmen und weitergeben

So ein dualer Master, das wäre auch was für die Studierenden in Hebron, findet Salma Alrajabi. Einen dualen Bachelor gibt es bereits an PPU, aber nur Masterprogramme ohne direkten Praxisbezug. Auch in Bezug auf die inhaltliche Gestaltung von Studienprogrammen hat sich die Palästinenserin vom Studienangebot am Center for Advanced Studies inspirieren lassen: Die Verknüpfung von Inhalten aus der Wirtschaft mit künstlicher Intelligenz oder anderen zukunftsweisenden Technologien findet sie spannend „Das ist der Weg in die Zukunft“, sagt sie. Begeistert hat sie ein Besuch des IPAI, wo genau dieses Konzept gelebt wird. 

Auch Hilya Kapolo zeigt sich beeindruckt vom Ökosystem am Bildungscampus. Ihr bleibt ein Besuch bei den Campus Founders besonders im Gedächtnis: “Eine Institution zur Unterstützung für Gründer*innen, das bräuchten wir auch in Namibia!” Sie möchte so viel wie möglich mitnehmen und auch weitergeben. Denn neue Eindrücke, die öffnen nicht nur den Blick, sondern auch den Geist. Dabei sind es nicht nur die großen Dinge, sondern für Hilya Kapolo auch: Bustickets digital kaufen, den Fahrplan online checken, Fahrradwege im Straßenbild, Studierendenrabatt in der Mensa und viele Dinge, die wir in Deutschland für selbstverständlich nehmen.

Beide sind sich einig: Reisen macht selbstbewusst und stark. Das Wichtigste dabei: Wenn man ein anderes Land besucht, muss man die Leute auf einer menschlichen Ebene respektieren, unabhängig von Religion und Kultur: “Be kind to each other!”