Mit Vorfreude und Nervosität: 283 Berufstätige starten ins Masterstudium
Job, Familie und jetzt noch ein Master? 283 Berufstätige haben am DHBW Center for Advanced Studies diesen Schritt gewagt. Beim Auftakt erzählen acht von ihnen, was sie antreibt, und die Hochschulleitung gibt Tipps für den Start.
Die Aula auf dem Bildungscampus Heilbronn ist der Ort, an dem für motivierte Fach- und Führungskräfte etwas ganz Neues beginnt: Sie machen sich auf den Weg zum Masterabschluss. Zunächst heißt es ankommen, Namensschild abholen und die eigene Gruppe finden, also die Menschen, mit denen sie die kommenden zwei oder drei Jahre gemeinsam erleben werden. Viele starten mit gemischten Gefühlen ins Studium.
Mit ihnen und den 90 Fachkräften, die bereits zum Sommersemester begonnen haben, ist das DHBW Center for Advanced Studies (CAS) mit 373 neuen Masterstudierenden ins Studienjahr 2026 gestartet. Insgesamt sind zum Stichtag am 1. Oktober 1.383 Studierende berufsintegrierend am DHBW CAS eingeschrieben.
„Ich erinnere mich, wie es bei mir war: diese Nervosität, diese Vorfreude auf das, was kommt, aber auch die Frage: Schaffe ich das?“, sagt Direktorin Prof. Dr. Conny Mayer-Bonde in ihrer Begrüßung. Und macht den Neuankömmlingen direkt Mut: „Die gute Nachricht ist: Ihr schafft das. Die Quote derer, die das bei uns schaffen, liegt bei 95 Prozent.“
Das Gefühl kennt auch Rebecca. Sie arbeitet als Sozialarbeiterin in der Flüchtlingshilfe und beginnt den Master Transkulturelle Traumapädagogik, um Menschen mit traumatischen Erfahrungen noch besser begleiten zu können. „Ich war schon ein bisschen nervös heute Morgen“, sagt sie. „Das letzte Mal, dass ich Ersti war, ist acht Jahre her. Jetzt wieder ins Studierendenleben reinzugehen, ist ein komisches Gefühl.“
Duales Konzept überzeugt, Gesundheit legt zu
Das duale Konzept überzeugt, und es steht allen offen: Drei von vier aus dem neuen Jahrgang im Wintersemester haben bereits ihren Bachelor an der DHBW gemacht und setzen auch im Master auf die Verbindung von Studium und Beruf. Rund ein Viertel hat den Bachelor an einer anderen Hochschule, einer Universität oder im Ausland abgeschlossen.
Deutlich zugelegt hat der Studienbereich Gesundheit. Ein Grund: Der Master Advanced Practice in Healthcare ist zum Wintersemester 2026/27 reakkreditiert und neu aufgestellt gestartet. Er bereitet Fachpersonen aus Pflege, Hebammenwesen und anderen Gesundheitsberufen auf Aufgaben in klinischer Praxis, Management und Lehre vor und trägt so zur Akademisierung der Gesundheitsberufe bei. Auch der Master Intensive Care bleibt konstant gefragt.
Zum ersten Jahrgang der neuen Studienrichtung Community Health Care gehört Laureen. Sie arbeitet in der Notaufnahme und will dazu beitragen, die Versorgung vor Ort zu verbessern und der Pflege mit mehr Kompetenzen ein neues Berufsfeld zu eröffnen. Ihr großes Ziel: „Dass sich das deutsche Gesundheitssystem so verändert, dass es für die Bevölkerung einfacher ist, an Termine zu kommen und überhaupt eine Person zu finden, die sich mit dem eigenen Problem auskennt. Niedrigschwellig und mit Zugang zu ordentlicher gesundheitlicher Versorgung.“
Ebenfalls in den Master Advanced Practice in Healthcare startet Aenas. Langfristig reizt ihn das Lehren an einer Berufsfachschule: „Ich habe nach meiner Ausbildung gemerkt, dass ich nach noch mehr Wissen strebe und mich in Pädagogik und Didaktik weiterbilden will, um später mal ein sehr guter Lehrer zu werden.“ Respekt hat er davor, Arbeit, Studium und Privates unter einen Hut zu bringen. Seine Stichworte für die nächsten drei Jahre: Stress, Aufregung und Lernfreude.
Was heißt eigentlich studieren?
Bei der Begrüßung der Fachbereiche Technik, Sozialwesen und Gesundheit sprach Prof. Dr. Paul-Stefan Roß, Dekan der Fachbereiche Gesundheit und Sozailwesen, vom „Zauber des Anfangs“ und stellte eine grundsätzliche Frage: Was heißt studieren, wenn Wissen jederzeit im Netz abrufbar ist? Die Antwort: Das Studium hat sich nicht erledigt. Gefragt seien weiterhin Kreativität, die Fähigkeit, Dinge zu verknüpfen, und Intuition. „Bildung kann man nicht kaufen, Bildung bekommt man nicht aus dem Internet. Die kann man sich nur selbst geben.“
Dazu gehöre auch Mut: Dinge infrage zu stellen, statt zu sagen, das war schon immer so. Den hätten die Neuen bereits bewiesen, als sie sich neben Beruf und Privatleben für einen Master entschieden haben. Und was nennen Absolventinnen und Absolventen rückblickend als größten Mehrwert? Die persönliche Weiterentwicklung. Das Bild vom Lehrmeister auf dem Lehrstuhl habe deshalb ausgedient: „Wir können nur versuchen, Ihnen einen Raum zu eröffnen, sich fachlich, beruflich und auch persönlich weiterzuentwickeln.“
Wirtschaft: Theorie und Praxis eng verzahnt
Im Fachbereich Wirtschaft starteten fast 170 Studierende. Zu den etablierten Programmen zählen der Master Rechnungswesen, Steuern, Wirtschaftsrecht (RSW) und der Master General Business Management (GBM). Beide gehören weiterhin zu den gefragtesten Studiengängen am DHBW CAS.
Für Dekan Prof. Dr. Johannes Kern war der Auftakt eine Premiere: Es ist der erste Jahrgang, den er im Amt begrüßt. Er betonte, was das Studium am DHBW CAS ausmacht: „Theorie und Praxis stehen nicht gegeneinander, sie werden wirklich eng verzahnt.“ Alles, was die Studierenden hier lernen, sei unmittelbar relevant für ihren Beruf.
Mit auf den Weg gab er vier Tipps: sich vernetzen, realistisch statt ideal planen, das Studium bewusst gestalten und Studium und Beruf in beide Richtungen verbinden. Den ersten konnten die Neuen gleich umsetzen: „Eine Mini-Hausaufgabe für heute: Sprecht fünf Leute an, die ihr noch nicht kennt.“
Julius hatte die Hausaufgabe da schon erledigt: „Ich habe heute schon viele neue Leute kennengelernt. Sehr nette Leute hier, also kein Grund zur Aufregung.“ Er studiert Marketing and Business Psychologie und hat vor dem Master bereits ein Jahr lang Module im Zertifikatsprogramm belegt. Sein bisheriges Highlight: strategisches Verhandlungsmanagement. „Das war wirklich super praxisorientiert“, sagt er. „Genau das schätze ich am dualen Studium: dass man die Verknüpfung zur Praxis hat, die im Unternehmen auch wirklich etwas bringt.“
Hybrid, online, modular: Weiterbildung wird flexibler
Damit Studium, Job und Privatleben zusammenpassen, setzt das DHBW CAS auf Planbarkeit, Verlässlichkeit und Ansprechbarkeit. „Wir sind für euch da, und das ist keine leere Phrase“, so Kern.
Zugleich wird die Flexibilität des Studiums strategisch ausgebaut: Wer hier studiert, soll selbst entscheiden, wie und wo gelernt wird. Den Master Digitalisierung in der Sozialen Arbeit gibt es ab sofort hybrid, den Master General Business Management jetzt auch online. So passt das Studium zu Schichtdiensten, Familie und langen Arbeitswegen, und das DHBW CAS kann Fachkräfte weit über die Region Heilbronn hinaus ansprechen.
Neben den Masterstudiengängen setzen viele Berufstätige gezielt auf einzelne Zertifikatsmodule. Im vergangenen Studienjahr belegten 322 Teilnehmende insgesamt 1.001 Module. Für das Wintersemester 2026/27 liegen bereits 471 Modulbuchungen von 191 Personen vor, und Anmeldungen sind laufend möglich.
„Weiterbildung muss in den Berufsalltag passen“, sagt Mayer-Bonde. „Viele wollen sich gezielt in einem Thema weiterentwickeln, ohne gleich einen kompletten Master zu beginnen. Mit unseren Zertifikatsmodulen können sie genau das, und sich die Leistungen später auf ein Studium anrechnen lassen.“
Genau diesen Weg ist Nina gegangen. Sie hat zunächst ein Jahr lang das Zertifikatsprogramm belegt und steigt nun in den Master General Business Management ein. Auf den Weg zum Campus hat sie sich „ein bisschen nervös, aber vor allem mit lauter Vorfreude“ gemacht. Besonders freut sie sich auf das Lehrforschungsprojekt und eine Exkursion nach Südafrika: „Das ist auf jeden Fall noch mal ein Highlight als Abschluss vom Studium.“
Stimmen vom ersten Tag
Auch Nils hat schon erste Kontakte geknüpft: „Mit dem ein oder anderen hatte ich schon ein nettes Gespräch. Bin gespannt, was sich den Tag über noch ergibt.“ Für den 23-Jährigen geht mit dem Master Maschinenbau ein Traum in Erfüllung, vielleicht folgt später sogar die Promotion. Wie er sich das Studium vorstellt? „Interessant, cool und informationsgeballt.“
Anna betritt mit dem Master Planung und Koordination in der Sozialen Arbeit Neuland, denn im Bachelor hat sie Psychologie studiert. Sie will lernen, wie man soziale Projekte plant, Netzwerke aufbaut und Evaluationen durchführt. „Ich bin aufgeregt, ich freu mich sehr und bin gespannt, was die nächsten zwei Jahre so mit sich bringen“, sagt sie. Mitnehmen möchte sie vor allem Wissen, neue Freundschaften und Kontakte, auch zu den Professorinnen und Professoren.
Paula ging es am Morgen wie am ersten Schultag: „So eine Aufregung im Magen.“ Sie startet in den Master Informatik und freut sich auf neue Kontakte und praktische Projekte, etwa das Programmieren von Mikrocontrollern. Ihr persönliches Ziel: selbstbewusster werden. „In der Informatik sind Frauen nicht allzu stark vertreten. Ich möchte da auch ein gutes Vorbild sein.“
Auf die Menschen kommt es an
Persönlich wurde es, als Mayer-Bonde ein Buch hervorholte: „Du musst nicht von allen gemocht werden“ von Ichiro Kishimi und Fumitake Koga. Die Kernbotschaft: Auf die Menschen kommt es an. Beziehungen seien die Quelle vieler Probleme, aber eben auch allen Glücks.
Daraus leitete sie ihre Bitte an die Neuen ab: „Bringt euch ein in die Beziehungen hier am Bildungscampus, in euren Masterprogrammen, in die Gespräche mit Dozierenden. Engagiert euch für andere, und damit am Ende für eure eigene Zufriedenheit.“
Das Buch überreichte sie einer Studentin mit dem Auftrag, es zu lesen, den eigenen Namen hineinzuschreiben und es weiterzugeben. Bis die Direktorin die ersten Masterurkunden dieses Jahrgangs unterschreiben kann, vergehen zwei bis drei Jahre. Der erste Schritt ist gemacht.
Was sie ihrem zukünftigen Ich mit Masterabschluss sagen würde, weiß Rebecca schon heute: „Danke, dass du durchgezogen hast. Das war bestimmt nicht immer einfach, aber ich bin stolz auf dich.“